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Zalar

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Galerie am Meer

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Studio W57

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Studio W57

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Studio W57

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Studio W57

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Arbeitsraum W57

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Ausblick und Prognose am Ende des Kunstjahres 2015 in Düsseldorf:  Was seit einem Jahr um den Worringer Platz gährt und rumort, könnte bald explodieren. Wird 2016 das Jahr von Zalar?

 

von Emmanuel Mir

 

Wenn Zalar von seinen aktuellen Tätigkeiten spricht, seine vergangenen Aktionen rekapituliert oder über seine zukünftige Pläne erzählt, denkt man, der Mann würde nie schlafen und seine Tage hätten mindestens 36 Stunden. Ein Energiebündel in der Ausdehnungsphase. Aber was ist Zalar? Schon der Name, kurz, bündig, knackig und sexy wie eine Marke, verweigert sich einer eindeutigen Einordnung. Wenn Zalar das Label von irgendetwas ist, stellt sich die Frage – wovon eigentlich? Als ich ihn treffe, sitzt da, gelassen und grinsend über beide Ohren, ein freundlicher, junger Mann, der gerne und viel redet. Während zwei kleine Köter sich leidenschaftlich an seinen Füßen raufen, erzählt Zalar von den Ausstellungen und Projekten, die er von seiner Kommandozentrale in der Worringer Straße 57 aus ausheckt. Und langsam wird mir klar, dass sich hier etwas zusammenbraut, was die künstlerische Erscheinung der Stadt nachhaltig verändern könnte.

 

Am besten versteht man Zalar anhand seines ausgedehnten Netzwerkes. In seinem Umkreis bewegen sich Künstler, Grafiker, Designer, Innenarchitekten und Kreative aller Art. Sie agieren in verschiedenen Konstellationen unter der Marvelesken Bezeichnung „Team Voltron“. Wer Mitte der 1990er in Deutschland männlich, jünger als zwölf Jahre war und RTL2 empfang, wird sich an das Sci-Fi-Anime Team Voltron erinnern, in dem eine Mannschaft von coolen Typen einen Riesenroboter lenkte um das Universum zu retten. So viel zum Ideal von Zalar und seinem Team. Die Voltron-Helden aus Düsseldorf teilen ihre Zeit, ihre Ideen, ihre Arbeitsplätze, gestalten zusammen Ausstellungen und Broschüren, produzieren Blogs, Plakate und, im Allgemeinen, Situationen und Ereignisse, die oft einen Cross Over-Charakter besitzen. Das Büro hilft Künstlern bei der Herstellung von Publikationen, der Redaktion von Texten oder der Generierung von 3D-Bildern. Jeder kann das Büro samt seinen Geräten kostenlos nutzen und bringt als Gegenleistung seine Fähigkeiten ein – ob in einem Tutorial für In-Design oder in der Herstellung eines Netzwerkssystems. Daran merkt man, dass Voltron mehr als ein Co-Working-Space ist. Auch wenn Warhol kein Vorbild ist, ist eine regelrechte Factory entstanden, die diverse kunstbezogene Dienstleistungen anbietet. Zalar ist das Verbindungsglied, das diese diversen Fäden zusammenlegt und für den guten Fluss der Energien sorgt.

 

Und noch eine Berufssparte ist im Adressbuch von Zalar vertreten: die des Immobilieninvestors. Dank seiner guten Verbindung zu Rolf Moritz Webeler, Besitzer von mehreren Häusern in der Stadt und im Begriff, ein neues, imposantes Objekt am Worringer Platz zu transformieren, kann der Tausendsassa Zalar einen Teil seiner Träume verwirklichen. Denn es ist Webeler, der sich auf den außergewöhnlichen Deal eingelassen hat, das Haus auf der Worringer Straße 57 für Künstler zu öffnen. Kurz nach dem Ankauf und vor der geplanten Sanierung des in die Jahre gekommenen Altbaus, überzeugte Zalar den Investor mit seiner Vision: Ein großes Haus voller Künstler mit einer Galerie im Erdgeschoss und Atelierräumen, bzw. Werkstätten im Hinterhof. Zu günstigen Preisen, versteht sich. Jeder normale Investor, der mit den üblichen, überhöhten Düsseldorfer Miettarifen arbeitet, hätte nur ein mildes Lächeln für diese Idee übrig gehabt. Aber nicht Webeler. Liegt es daran, dass die Eltern des Immobilienentwicklers in der Kunstakademie studiert haben? Jedenfalls verzichtete er auf die übliche Sanierung und auf satte Renditen und wurde sogar Mitgesellschaftler der Galerie am Meer.

 

Die Galerie am Meer, mit ihrer großen Vitrine zur Worringer Straße, ist die kommerzielle Sparte und der sichtbarste Bereich des Gesamtprojektes. Sie ist noch kein Jahr alt und wird persönlich von Zalar geführt. Dieser hat sich vorgenommen, „Biografien zu forcieren“, also junge, unbekannte Positionen mit wenig Ausstellungserfahrung zu fördern. Bisher waren es vor allem Absolventen oder Studenten der Kunstakademie Düsseldorf, aber auch zahlreiche Künstler aus dem Umraum, die in Gruppenshows präsentiert wurden. Die Galeriearbeit erfolgt professionell, die Präsenz auf nationalen und internationalen Kunstmessen soll 2017 noch verstärkt werden. Was der Galerie am Meer noch fehlt ist (mindestens) ein eindeutiges Zugpferd, der das Überleben der Unternehmung über die üblichen zwei Businessplan-Jahre verhelfen würde. Zunächst finanziert sich die Galerie durch einen eigenen Topf; eine (eh unmögliche) sofortige Rentabilität ist nicht einkalkuliert.

 

Das eigentliche Kernstück des Projektes W57 bleibt für das Laufpublikum verborgen. Über die Galerie am Meer erstrecken sich vier Etagen, die ausschließlich Künstler und Kunststudierende beherbergen – zurzeit siebzehn Menschen aus insgesamt zehn Klassen der Kunstakademie. Auch da hat Zalar auf Heterogenität geachtet. Die Chemie zwischen den einzelnen Mietern stimmt zwar nicht immer auf Anhieb, aber der Kommunikationsfluss, mal zäher, mal flüssiger, fließt durch das Haus durch. Jede Woche findet auf einer der vier 190m²-großen Etage ein Essen statt, so dass die Bewohner ein Jour Fixe zum Zusammenkommen haben. Wird der Geist der kreativen und solidarischen Gemeinschaften der 1970er reaktiviert? Arbeitet Einer an einer neuen soziokulturellen Utopie? Zalar gibt sich bescheiden und erklärt: „Dies hier ist keine Kommune. Es gibt vielleicht einen Hippie-Ansatz, aber dieser wird strategisch und wirtschaftlich weitergeführt.“ Der Mann, der den Balanceakt zwischen Realismus und Idealismus probiert, ist sich über den artifiziellen Charakter des Experiments bewusst und vergleicht das Haus mit einer Trabantenstadt, die aus dem Nichts geboren wird und den Raum urplötzlich okkupiert.

 

Die Okkupation geht übrigens im Keller unter der Galerie am Meer weiter. Dort wurde der enge, verschachtelte Raum in einen Off-Space verwandelt. Unter dem Namen „Lager 3“ kann hier Jeder sein Projekt kurzfristig vorstellen – eine kuratorische Auswahl erfolgt nicht. Es ist also der Raum, in dem man sich austoben darf, wobei die Anwohner des Hauses privilegiert werden. Durch eine Treppe gelingt man in den Innenhof, das in einer Art Beach-Bar verwandelt wurde. Auf dem Kies wurden Paletten und Sofas ausgebreitet, ein paar Palmen und Pflanzen runden die gemütliche Atmosphäre ab. Dies ist die Transitzone zwischen Galerie, Wohnungen und Lager 3. Am Ende des kleinen Hofes ist noch eine Halle. Hier sollen kurzfristige Projekte stattfinden; gerne auch Performatives und Musikalisches, so Zalar. Gerade die Studierenden der Kunstakademie sind willkommen.

 

Während der Hausführung steigt langsam die Verwunderung. Hier wird mit viel Herzblut und einem unverbesserlichen Glauben an die Kunst, an einem Konstrukt gearbeitet, das mich unweigerlich an die Insel Hombroich erinnert: Ein Bauinvestor investiert nach Jahren guten Geschäften in eine abgeschirmte Insel der Kunst, gründet eine emsige Gemeinschaft der Kreativen und schafft somit ein neues Biotop. Webeler backt zwar eindeutig kleinere Brötchen als Karl-Heinrich Müller und der Prozess der Konkretisierung einer Utopie steckt noch ganz am Anfang, aber der Vergleich hinkt in dieser Phase nicht ganz. Wie Gotthard Graubner für Müller, übernimmt Zalar die Rolle des Beraters und Antreibers. Ich will es aber wissen und hinterfrage nochmal die Motivation des selbsternannten Hausmeisters – Warum macht er das eigentlich? Wird heute noch immer an Gemeinschaften und künstlerische Utopien geglaubt? Oder ist das Projekt eine Art der postfordistischer Konzentrierung von Ressourcen zu Zwecken der Effizienzsteigerung in einem konkurrenzreichen Umfeld? Mein Gegenüber, ansonsten so redselig, scheint keine klare Antwort zu haben und schiebt seine Biografie als Argument vor. „Ich interessiere mich einfach für Räume und Situationen“, sagt er, plötzlich lakonisch. Zalar selbst hat Medien- und Kulturwissenschaft studiert, hat sich des Weiteren mit Film- und Videokunst beschäftigt, kam dann spät und auf Umwegen in die Kunstakademie, um dort, wie er sagt, „Rauminstallationen zu bauen“. Seine umtriebige Art, Menschen zu verbinden und den Prozess anstatt von Objekten zu suchen haben das Übrige getan.

 

Nach etwas mehr als einem Jahr Präsenz im Haus kann Zalar zufrieden auf das Erreichte zurückblicken. Zugleich weiß er wohl, welch ein Glück er hat, diese besondere Immobilie-Investor-Konstellation gefunden zu haben. „Das Objekt ist für Immobilienscout ein impossible move“, scherzt er. Eine solche Möglichkeit öffnet sich nicht jeden Tag. Die Steigerung kommt allerdings noch. Vor wenigen Tagen wurde bekannt gegeben, dass Rolf Moritz Webeler das ehemalige Capitol-Theater am Worringer Platz gekauft und das bereits imposante Objekt mit zwei weiteren Häusern an der Erkrather Straße, alle durch einen Innenhof verbunden, abgerundet hat. Es entsteht also ein großes Bauprojekt, das sich, so Webeler, den Regeln der Gentrifizierung entziehen sollte. Was genau aus dem Ensemble wird, ist noch nicht bekannt. Ich vermute vorsichtig, dass Zalar eine gute Idee haben wird. Und möglicherweise das soziale Experiment W57 drei hundert Meter weiter verpflanzen wird. Möglicherweise. Eins ist jedenfalls sicher: Das ist das Ende der kleinen Brötchen.

 

 

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