Diego Ruggiero
Daniele Franzella Cronache della città di Ur

Daniele Franzella: Cronache della città di Ur

Daniele Franzella Cronache della città di Ur

Daniele Franzella

Daniele Franzella: Dell'inutilità_della disciplina e delle cose che ci sembrano opportune

Daniele Franzella: Dell’inutilità_della disciplina e delle cose che ci sembrano opportune

Daniele Franzella: Dell'inutilità_della disciplina e delle cose che ci sembrano opportune_dettaglio

Daniele Franzella: Dell’inutilità della disciplina e delle cose che ci sembrano opportune (Detail)

Daniele Franzella

Daniele Franzella: Cronache della città di Ur

Bandiera, cemento pigmentato, 90 x 135 cm, 2015

Daniele Franzella: Bandiera

Daniele Franzella: Tappeto

Daniele Franzella: Tappeto

Daniele Franzella: o.T.

Daniele Franzella: o.T.

Daniele Franzella: Trincea

Daniele Franzella: Trincea

José Florentino

José Florentino

José Florentino

José Florentino

José Florentino

José Florentino

José Florentino

José Florentino

Jose Florentino

Jose Florentino

Diego Ruggiero

Diego Ruggiero

Diego Ruggiero

Diego Ruggiero

Diego Ruggiero

Diego Ruggiero

 

 

Mai in Düsseldorf und es sieht aus, als ob die Orangenblüten aufblühen. In der Tat sind es nicht weniger als zwei Ausstellungen mit sizilianischen Künstlern, die zurzeit in der Landeshauptstadt stattfinden – beide kuratiert von Alessandro Pinto aus Palermo.

 

von Veronica Liotti

 

 

 

 

Am 7. Mai wurde die Einzelausstellung von Daniele Franzella im Atelier am Eck eröffnet. Als Preisträger des Premio FAM Giovani 2014, einer von der Stiftung Fabbriche Chiaramontane di Agrigento ausgeschriebenen Künstlerresidenz, war der Bildhauer Gast des Vereins Düsseldorf – Palermo e. V. und der Landeshauptstadt Düsseldorf. Diese Ausstellung gilt für den Künstler als Abschlussarbeit seiner Residenz.

 

Der Titel Chronik der Stadt Ur weist auf Erinnerungen hin, die unter zahlreichen Schichten von Erde und Geschichte begraben sind. Aber was wir hier sehen sind vielmehr Erinnerungen an einer relativ nahen Vergangenheit – obwohl nur noch wenige Augenzeugen am Leben sind, die den Kriegseintritt Italiens im Jahr 1915 erlebt haben. Kern der Ausstellung ist ein beeindruckender Arazzo, also eine Gobelin-ähnliche Tapisserie aus ockerfarbigem Latex. Der Mittelpunkt des Arazzo besteht aus einem Basrelief, in dem ein italienisches Alpenjäger-Bataillon des ersten Weltkriegs dargestellt wird. Das Motiv stammt zwar aus einem historischen Fotoarchiv, aber der Kenner von (antiker) Kulturgeschichte wird diesen “modernen Fund‟ möglicherweise mit der alten, heute im British Museum beheimateten “Standarte von Ur“ in Verbindung setzen. Dieser zweiseitig eingelegte Holzkasten, der aus einem sumerischen Königsgrab aus dem 3. Jahrtausend vor Christus entnommen wurde, zeigt auf einer Seite eine Symposionsszene, also ein Symbol des Friedens, und auf der anderen Seite ein Heer, das unschwer als Symbol des Krieges gedeutet werden kann. In dem Latex-Wandteppich von Franzella sind beide Seiten vereinigt.

 

Das Tuch hängt hoffnungs- und kraftlos wie eine abgezogene Bärenhaut herab. Die Alpenjäger sehen wie Krieger eines Terrakotta-Heeres aus, das aufgrund der einheitlichen Farbtonalität zwar anonym erscheint, in dem aber dennoch die Individualität jedes über die Soldatenuniform herausragenden Gesichts zu erkennen ist. Franzella erklärt, er habe das Material Latex benutzt um die Nähe zur menschlichen Haut zu verdeutlichen – eine Menschenhaut die noch lebt, wie die hier wachgerufene Erinnerung.

 

An einer anderen Wand sieht man eine dreifarbige Fahne, die hoch und auffällig hängt, als ob sie das Wappenschild der Ausstellung wäre. Da die Fahne aus Beton besteht und ihre Farben eigentlich drei Graustufen sind, ist sie kein luftiger Banner mehr, sondern schwerer Ballast. Ihre blässlichen Farben verweisen auf kein genaues Vaterland und deuten eher Zwecklosigkeit und symbolische Universalität an. In Wahrheit scheint sie eine einzige Farbe zu haben, d.h. die verblasste Farbe eines Leichnams. In den Gräben stirbt eben die Fahne bzw. die Nation, die ihre Söhne in den Krieg schickt. Am Fuße dieser toten, verfärbten und anonymen Fahne liegen 98 Skulpturen aus Terrakotta, die, wie in einer Kriegsgräberstätte, ordentlich aufgereiht sind. Jenseits von jeder moralistischen Heuchelei ist hier das christliche Kreuz durch frühere Landminen ersetzt worden. Es sind rachitische und knöchrige Gestalten, die an moderne Astragaloi erinnern, welche heute immer noch in Form von knucklebones als Spiel verwendet werden.

 

Viel verdankt die gesamte Installation der Ästhetik der Arte Povera. Die Tatsachen werden nicht dramatisiert und man gesteht den Materialen die Aufgabe zu, ihre Geschichte zu erzählen.

 

Im krassen Gegenteil zur ersten wirkt die zweite sizilianische Ausstellung in Düsseldorf so leicht und unbekümmert wie Reisende, die sich ohne Gepäck auf dem Weg gemacht hätten. Beide Künstler – Diego Ruggiero, aus Palermo, und José Florentino, ein in Palermo lebender Portugiese – sind Globetrotters, oder besser gesagt, zwei Sea-Trotters, wie sie der Kurator Alessandro Pinto während seiner Eröffnungsrede bezeichnete. Pinto erklärte, es sei nicht einfach gewesen, diesen Event mit den Künstlern zu organisieren, weil diese, stets unterwegs auf dem Meer, weder zu kontaktieren noch zu lokalisieren waren. Tatsächlich war allein Florentino bei der Eröffnung anwesend, während Ruggiero sich an Bord irgendeines Schiffes befand, das vor den maltesischen Küsten kreuzte.

 

Die Werke strahlen dieselbe provisorische Stimmung aus, die die Künstler auf ihren Reisen empfinden müssen, während sie immer bereit sind, die Anker zu lichten. Dementsprechend ist nicht nur die Installation einfach und reduziert gehalten, sondern das verwendete Medium – Aufnahmen, die auf einfaches Papier gedruckt wurden – passt auch hervorragend zu dieser Aufbruchsstimmung.

In ihren jeweiligen Motiven scheinen beide Künstler das erreicht zu haben, was P. B. Shelley der Dichtung zuschrieb: »Poetry turns all things to loveliness. […] It transmutes all that it touches, and every form moving within the radiance of its presence is changed by wondrous sympathy to an incarnation of the spirit which it breathes. […] It strips the veil of familiarity from the world, and lays bare the naked and sleeping beauty, which is the spirit of its forms«.

 

 

Diego Ruggiero und José Florentino
Vögel und Bäume
SITTart Galerie im Künstler-Atelierhaus,
Sittarderstr. 5, 40477 Düsseldorf
duesseldorfpalermo@gmail.com
Ausstellung vom 9-31 Mai 2015
Daniele Franzella
Cronik der Stadt Ur
Atelier am Eck
Himmelgeister Straße 107
Ausstellung vom 8-17 Mai 2015

Comments (1)

  • Michael Kortländer

    ein wunderbarer Beitrag zum sizilianischen Frühling !!!

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