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Spitztürmig, scharfkantig, glattbrüchig. Die Sprache müsste neu erfinden, was Richard Long an Brocken zu einer ‚Straße’ ausgebreitet hat.

von Wolfgang Waldmann

 

 

Selten war Land Art so befreiend. Und so nah. Vom regennassen Hermannplatz in Düsseldorf nur ein paar Schritte in einen Hinterhof. Dann hinauf in die erste Etage der Konrad Fischer Galerie. Dieses ‚hinauf’ wird belohnt: Es setzt sich fort mit einer Augenwanderung durchs Gebirge. Man muss nur den Blick fokussieren können. Die Naheinstellung. Für die hat Richard Long Entdeckungen bereit gestellt.

Spitztürmig, scharfkantig, glattbrüchig. Die Sprache müsste neu erfinden, was Long an Brocken zu einer ‚Straße’ ausgebreitet hat. Schiefer aus England: eine Palette aus Grauwerten. Quarz aus den deutschen Mittelgebirgen: helltönende Antworten. Ein Zusammenklang, kontrapunktiert von der Härte des Steins.

Richard Long muss sich nicht neu erfinden. Nicht im Großen. Es ist die Auswahl im Detail, das Aufstellen, das Zusammenstellen. Der Sinn für Relationen. Wüsste man nicht, dass dieser Sinn sich immer wieder neu erprobt in der Natur selber, im Erlaufen und in der Berührung, man könnte es sehen. Man sieht es. Man spürt es. Doch diese ‚Straße’ bildet nicht ab und bildet nicht nach. Über sie gehen wollen, wäre absurd. Vielmehr ‚transportiert’ und vermittelt sie Erfahrung: Berührung und Anstrengung. Die Bewältigung von etwas.

Zwei Schrifttafeln, gerahmt, verweisen auf zurückgelegte Wegstrecken. Santiago de Compostela ist dabei nicht zufällig erwähnt. Als Ziel. Und als Ziel hat es symbolische Bedeutung. Es sind die alten Pilgerrouten, die von allen Teilen Europas hin zu solchen Zielen führten und führen. Manchmal auch heute noch markiert mit Steinaufhäufungen, schon weit am Horizont zu sehen, die Richtung weisend.

Der erste Raum der Ausstellung der Konrad Fischer Galerie formuliert einen solchen Kontext. Da stellt sich eine Wirkung ein. Erinnerungen an eigene Erwanderungen. Wege als Befreiung. Das Hinter-Sich-Lassen. Diesem nun so gestimmten Blick öffnet sich ein schmaler Durchgang zum zweiten Raum. Wie der Eintritt in ein Heiligtum. Das klingt pathetisch. Ja, das ist pathetisch. Richard Long steht nicht für schnellen Kunstkonsum. Man muss sich darauf einlassen – oder ganz schnell wieder hinaustreten auf regennasse Straßen Düsseldorfs.

 

 

 

Richard Long

Konrad Fischer Galerie

Platanenstr.7, 40233 Düsseldorf

Ausstellung vom 13.11.2015 – 15.1.2016

www.konradfischergalerie.de

 

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