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Henrietta Weithorn

Henrietta Weithorn

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Sich absichtlich in den Mäandern der Technologie zu verirren und an der Schönheit des Artifiziellen zu vergnügen macht anscheinend Spass. Vor allem wenn man sich zu zweit verirrt.

 

von Emmanuel Mir

 

Soweit ich zurückdenken kann, gab es an diesem Standort immer eine Galerie – oder eine Kunstbuchhandlung. Die Mutter-Ey-Straße 5 in der Düsseldorfer Altstadt hat in den letzten 30 Jahren einen ständigen Wechsel von Betreiber erlebt, blieb aber eine feste Adresse der Kunst. Nachdem sie einen Kunstraum in Duisburg hatte, hat sich nun Henrietta Weithorn seit wenigen Wochen an diesem geschichtsträchtigen Plätzchen eingenistet und zeigt als Eröffnungsausstellung den energischen Doppelpack Emmett-Kranemann; zwei durchaus ungleiche Künstler, die ein gemeinsames Spielfeld gefunden haben.

 

Am Anfang des Prozesses steht also eine Begegnung: der junge Mathew Emmett, Professor für Medienwissenschaft an der Plymouth University, England, trifft auf Eberhard Kranemann, Künstler und Urgestein der elektronischen Musikszene in Wuppertal, Bergisches Land. Der erste untersucht die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst und begeistert sich besonders für die Herstellung von neuen Bildern. Der zweite, Mitbegründer von Kraftwerk und Animateur des legendären Fritz Müller, hat eine kindliche Freude am Cross-Over und an der Mischung der Genren. Kaum haben sie sich beschnuppert, dass die zwei Herren eine langfristige Kooperation beschließen.

 

Vor einem Jahr fing also der langsame Prozess einer nie endenden Bildentfremdung an. Zunächst wurden Bilder auf Karton gemalt, einerseits im explosiv-expressivem Stil, ungehemmt und wild (Kranemann), anderseits mit einer präzisen und fein ziselierten Struktur, die sehr grafisch betont ist und an technische Geobilder erinnert (Emmett). Diese Acrylgemälde wurden dann gescannt und einem weiteren Vorgang digital bearbeitet. Die Hauptidee bestand von Anfang an darin, aus einer halbimprovisierten Malsession ein (technologisch betrachtet) hochkomplexes Werk zu machen, das den Ausgangpunkt einer Performance und einer Video werden sollte.

 

Um die Malerei räumlich wirken zu lassen, setzte Emmett in seinem Londoner Labor Geräte und Softwares ein, die er teilweise selbst entwickelt und bisher nie im Kunstkontext angewendet wurden. Alle Bildelemente, die größtenteils zufällig entstanden waren, wurden erfasst. Details der Kompositionen wurden nach verschiedenen, langwierigen Manipulierungen durch einen 3D-Drucker gejagt. Die entstandenen Plastiken wurden dann unter allen Blickwinkeln fotografiert, abgespeichert und erneut verarbeitet, um einen Film von 23 Minuten zu ergeben. Dabei müsste den Großrechner der Plymouth University herangeholt werden: Bei einer Bearbeitungszeit von ca. 20 Minuten pro Bild (und ein Video hat 25 Bilder pro Sekunde!), lief die unglaublich große Datenmenge ein paar Nächte durch.

 

Die Ästhetik von Emmett und Kranemann pendelt also bewusst zwischen Computerkunst und expressiver Malerei und sucht in dem unaufhörlichen Austausch eine gute Mitte. Dabei entstehen Bilder, die trotz (oder gerade wegen?) ihrer technoiden, glatten Anmutung, einen hohen Anziehungskraft ausüben und den Betrachter in teilweise faszinierenden Landschaften projizieren.

 

Ein vorläufiges Ende des Prozesses bestand am Eröffnungsabend in einer Performance der zwei Männer vor dem projizierten Bild ihres Animationsfilms. Als verwertbares, bzw. verkaufbares Erzeugnis wurden aus dem Video ein paar schicke Prints als Diasec produziert. Und diese hochkünstliche, extrem technisch wirkende Bilder, die zwar noch eine vage Verwandtschaft zur ursprünglichen malerischen Praxis unterhalten, sind letztendlich ein gutes Portrait der zwei Künstler: Sowohl die kühle Perfektion der maschinell beherrschten Vorgängen von Emmett als auch die vitale, sehr körperbetonte Energie von Kranemann kommen deutlich zum Vorschein.

 

 

 „Space Interface“
mit Mathew Emmett und Eberhard Kranemann
in der Galerie Weithorn
Mutter-Ey-Str. 5, 40213 Düsseldorf
0173.4187800
3.9-28.9.2015
geöffnet Mit-Fr. von 15-19 Uhr und Sa 14-18 Uhr

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