"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

Amit Goffer, Talya Raz, Adi Levy, Dvir Cohen-Kedar, Gideon Smilansky

"Lichtung" in der Betonbox

Adi Levy, Amit Goffer, Dvir Cohen-Kedar, Gideon Smilansky, Dafna Gazit, Leonid Sokhranski

"Lichtung" in der Betonbox

Amit Goffer:On The Rivr Bank We Sat And Cried

"Lichtung" in der Betonbox

Rotem Ritov: Wrest

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

Yael Amit Hemo: Bonfire

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

Leonid Sokhranski: Herr Heidegger, sind Sie aus Syrakus zurück? (Die Blendung des Polyphem)

"Lichtung" in der Betonbox

Adi Levy, Dvir Cohen-Kedar

"Lichtung" in der Betonbox

Vera Lossau: House Warming

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

Lior Schur: Dark Moth

"Lichtung" in der Betonbox

Talya Raz: The storyteller (Öl/Lwd.)

"Lichtung" in der Betonbox

Yuliana Gorkorov: Babel

"Lichtung" in der Betonbox

Adi Levy: Lichtung

"Lichtung" in der Betonbox

Efrat Gal, Lior Schur

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

Bernhard Kucken: Statue Of Liberty

"Lichtung" in der Betonbox

"Lichtung" in der Betonbox

 

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland findet in Düsseldorf eine Begegnung zwischen israelischen und deutschen KünstlerInnen statt.

von Wolfgang Waldmann.

 

 

 

Alle Fotos von Adi Levy

 

‚Lichtung’ – eine romantische Vorstellung?

Das Wort Lichtung und das hebräische Wort für Schatten haben etymologisch große Nähe und haben trotz ihrer Gegensätzlichkeit in unserem jeweiligen kollektiven Gedächtnis eine ähnliche Bedeutung: ein Ort der Erfrischung.’ Mit diesem Gedanken wird in der Ankündigung der Ausstellung auf den Sinn des Titels ‚Lichtung’ verwiesen.

Lichtung. Bilder von Geborgenheit stellen sich ein, Bilder von befreiendem Aufatmen. Es lichtet sich, es entsteht ein Raum der Helligkeit in einem Kontext der Verschattung. Metaphorisch und wirklich. Manets ‚Frühstück im Grünen’ findet auf einer Lichtung statt, umschlossen von Wald. Eine solche bildhafte Vorstellung ist kulturell positiv besetzt. Sie funktioniert vor allem dort, wo Licht mit Wärme konnotiert und wo Leben spendende Wärme aufgesucht wird.

In anderen kultur-geografischen Zusammenhängen kann das anders aussehen. So, wenn der schattenlose Raum der sengenden Hitze ausgeliefert ist. Er kann lebensfeindlich sein. Dann muss der Ort der Geselligkeit und Ruhe im Schatten liegen, muss geschützt sein.

So steht also im Hebräischen der Begriff Schatten, ähnlich wie der deutsche Begriff Lichtung für einen ‚Ort der Erfrischung in Sicherheit, an dem man in Ruhe einen Moment lang verweilen kann’, wie es die Veranstalter formulieren. Und in diesem Sinne ist der Titel der Ausstellung zu verstehen: ‚Lichtung’ als ein Raum der Begegnung.

Klingt da nicht etwas mit? Das Wort ‚Sicherheit’ lässt aufhorchen. Muss man übersensibel sein, um weitere Zusammenhänge zu sehen? Der ‚Ort … in Sicherheit’ steht tatsächlich für einen sicheren Ort: der ehemalige Hochbunker auf der Münsterstraße.

BETONBOX. Das klingt zwar kumpelhaft, nimmt aber letztlich dem Ort nicht seinen historisch dunklen und also ambivalenten Beigeschmack. Auch wenn der Bunker ‚seit 2012 als sogenannter Off-Raum funktioniert’.

 

Verweilen an einem Ort in Sicherheit…

Hoch oben, unter dem Dach dieses Bunkers nun fand die inoffizielle Eröffnung dieser Ausstellung statt: als ein Fest der Begegnung.

Es war ein Ereignis.

Ein Ereignis, über das zu berichten nicht alle Tage vorkommt. Selbst in dem von Events verwöhnten Düsseldorf nicht. Ein Ereignis, nicht weil es in einem Hochbunker mit weitem Blick auf die Stadt stattfand. Nicht weil dort die wohl zweitlängste ‚Tafel am Rhein’ aufgebaut war. Nicht weil es dort um Kunst ging. Das alles auch.

Zu berichten ist vielmehr von einer Geste herzlicher Gastfreundschaft und von intensiven Begegnungen.

Denn eingeladen hatten zu einem Abendessen fünf israelische und neun deutsche KünstlerInnen. Die Initiative für eine gemeinsame Ausstellung ging aus vom Kunstkollektiv BETONBOX und seinem Kuratorium, in Kooperation mit den Künstlern Amit Goffer und Vera Lossau.

Doch ursprünglicher Ausgangspunkt dieses Projektes dürfte wohl die Begeisterung für die Künstlergruppe des ALFRED Institute in Tel Aviv gewesen sein, die sich dort seit etwa zehn Jahren als Kooperative etabliert hat: Cooperative Institute for Art & Culture. Eine Lebens- und Arbeitsform, die mehr bezweckt als gemeinsame Ausstellungen zu organisieren. Es geht vielmehr und grundlegend darum, die unterschiedlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten der Mitglieder so einzusetzen, dass dadurch für alle eine ökonomische Basis entsteht. Und finanzielle Unabhängigkeit. Also ‚unabhängige junge Kunst in Tel Aviv. Mit einem Ausstellungsraum, Ateliers, Vorträgen und Workshops in einem ehemaligen Pressegebäude schafft das Alfred-Institut einen wichtigen Raum für die unabhängige israelische Kunstszene. Die … selbst organisierte(n) Zusammenschlüsse von Künstlern zu Ateliergemeinschaften wie diese sind bewährte Alternativen zu individuellen und kommerziell orientierten Strategien im Kunstbetrieb’. (Presseinformation zur Veranstaltung) Das umfasst Bereiche von Kunst-Unterricht, kulturellen Angeboten bis zu Ausstellungen wie eben auch diese hier in Düsseldorf. Die dafür notwendigen Absprachen werden von den Mitgliedern der Kooperative quasi basisdemokratisch getroffen. Entscheidungen, die dann von allen solidarisch mitgetragen werden. Ein Modell für die Mitglieder der BETONBOX? So könnte es sein.

Und der aufwendig vorbereitete und gelungene Abend zeigte, dass auch die Künstler in Düsseldorf zu einem gemeinsamen Tun bereit und in der Lage sind. In diesem Sinne dürfte die Ausstellung als Auftakt eines Pilotprojektes verstanden werden.

Zwei Künstlerinnen und drei Künstler der Kooperative ALFRED waren nun während der Veranstaltung in Düsseldorf anwesend. Bernhard Kucken, vom Kuratorium der BETONBOX, selbst Bildhauer und teilnehmender Künstler, sowie der in Düsseldorf lebende israelische Bildhauer Amit Goffer begrüßten die Gäste aus Tel Aviv. Die israelischen Künstler gaben einen Einblick in die Geschichte und Struktur ihrer Kooperative. Anschließend wurde zu einem opulenten Abendessen eingeladen, Anlass für Austausch, Kontakte, Gespräche, Verabredungen, Ideen und Perspektiven. ‚Lichtung’ als Raum der Begegnung.

Und die Kunst?

Ringsherum Gemälde, Fotografien, Skulpturen der teilnehmenden KünstlerInnen. Im abgedunkelten Treppenhaus Videoarbeiten und Lichtskulpturen. Die Auswahl der Arbeiten scheint darauf angelegt, Heterogenität und Vielseitigkeit und vor allem Eigenständigkeit der Ausstellenden betonen zu wollen. So geht es wohl in erster Linie um Begegnung und Kennenlernen, um Austausch von künstlerischen Positionen. Das Projekt zielt auf einen dauerhaften Prozess, vielleicht auch auf institutionelle Zusammenarbeit. So werden Künstler der BETONBOX Anfang 2016 nach Tel Aviv reisen und ihre Arbeiten dort zur Diskussion stellen. Ein guter Anfang ist gemacht, ein Anfang, der von Stadt und Land gefördert wird und dem man lebendige Fortführung wünscht.

 

 

 

Die teilnehmenden KünstlerInnen aus Düsseldorf: Nathalie Bertams, Mavi Garcia, Mareike Piepel, Yuliana Gorkorov, Vera Lossau, Florian Zeeh, Bernard Kucken, Amit Goffer und Leonid Sokhranski
Die anwesenden israelischen KünstlerInnen: Rotem Ritov, Dafna Gazit, Dvir Cohen-Kedar, Adi Levy und Gidi Smilansky.
Die ausstellenden israelischen KünstlerInnen: Yael Amit, Yael Ben-Shalom, Dvir Cohen-Kedar, Efrat Gal, Dafna Gazit, Adi Levy, Noa Lieberman, Talya Raz, Rotem Ritov, Lior Schur, Yaov Shavit, Gideon Smilansky
Betonbox: Mavi Garcia, Bernhard Kucken, Florian Zeeh, Münsterstr. 500, 40472 Düsseldorf, www.beton-box.de
Vernissage am Freitag, 2. Oktober, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 2.10.-25.10.2015, Öffnungszeiten unter www.beton-box.de
Podiumsgespräch am Dienstag, 20. Oktober, 18 Uhr im Cafe SPARTA in der Kunstakademie Düsseldorf. Bei dem Podiumsgespräch werden unter Moderation von Prof. Robert Fleck Vertreter beider Kooperativen die Situation und Förderung junger Kunst in Tel Aviv und Düsseldorf und ihre Konzepte und Praktiken als Non-Profit-Initiativen in beiden Ländern in den Blick nehmen.
Informationen zum Begleitprogramm sind zu finden unter https://betonbox.menkent.uberspace.de/fcgi-bin/flask_restart.fcgi/static/presse_lichtung.pdf
Ansprechpartner: Bernhard Kucken, 
0211-1396280, 0157-32764245 bernhard.kucken@kunstakademie-duesseldorf.de

 

 

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