Text: Saskia Zeller

Bild: Norika Nienstedt

 

 

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Die Tiere tragen wirklich Beachtliches auf dem Rücken. Ich hole meine Lupe aus der Tasche, um alles genau zu betrachten. Da sind Nadeln, Federn und Haare dabei, Fetzen, Splitter, Samen und Kadaverteile. Der ganze Waldboden bewegt sich auf dem Rücken von Ameisen und Käfern. Geschäftig wird das ganze Geflecht hin und her geschoben, von der einen Stelle zur anderen unterhöhlt und überbrückt in alle Richtungen. Ich muss aufpassen, dass meine Zehen nicht bevölkert werden.

Mit der Lupe so dicht vor der Nase stolpere ich auch manches Mal über die groben Äste, die der Trekkingtross routiniert umschwärmt. Oder ich tappe in eine Furche. Der einen oder anderen Ameise klaue ich aber geschwind ihre Beute vom Rücken, um zu sehen, wie sie umkehrt, was Neues zu holen. Ich will doch den Ursprung allen Treibens finden. Es muss hier einen zentralen Punkt geben, von dem alles ausgeht.

Aber die Ameisenstraßen schlängeln sich endlos durchs Unterholz und ich bin müde. Auf einem Baumstamm strecke ich die Beine weit weg von mir. Ah. Die meisten Tiere tragen hier jetzt so schwarzes Zeug umher. Komisch. Was ist das? Sie scheinen auch noch schneller zu laufen als zu Beginn. Hier in der Nähe muss ihr ganzes Spielzeug liegen. Da bin ich sicher. Also raffe ich mich wieder auf und gehe weiter. Finde noch mehr schwarzes Zeug um mich herum.

Ich nehme einen Stock und bohre ihn tief in die Erde. Dann stecke ich meine Zehen hinein. Wie warm das ist. Ich grabe weiter. Meine Finger sind jetzt kohlrabenschwarz und die Ameisen wie vom Erdboden verschluckt. Ich habe das Gefühl, das Loch wird immer wärmer, je tiefer ich grabe. Es riecht schon nach Ruß und Magma. Ist das nun der Schatz, den ich gesucht habe? Und das Schwarze nur der Schatten der Schätze?

Ich grabe munter weiter an der qualmenden Stelle und fange auch zu ritzen an, so tief ich kann. Ab und zu lege ich mein Ohr nahe an den Boden und bohre mit dem Stock lustige Rauchlöcher. Das schwärzt auch den Himmel und brennt am Fuß. Jetzt brennt schon mein Kleid, ganz bald auch mein Haar.