Felicitas Rohden bei Jagla
Felicitas Rohden bei Jagla

Bended Sight, © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla

Bended Sight© Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla

Bended Sight © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla


Bended Sight © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla


Bended Sight © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla

Bended Sight © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla

Bended Sight © Felicitas Rohden
Foto: © Thomas Koester

Felicitas Rohden bei Jagla

© Thomas Koester, VG Bild-Kunst

Felicitas Rohden kann mit ihrem Arbeiten in die Traditionslinie derer gestellt werden, die von einem klar definierten künstlerischen Standpunkt aus eine Affinität zu den Wissenschaften haben.Eine Rezension ihrer neuesten Ausstellung

von Thomas W. Kuhn

 

Kunst und Wissenschaft werden innerhalb unserer Kultur nach wie vor als Gegensätze begriffen. Sie repräsentieren zwei wesentliche Konzepte der abendländischen Kultur in der Moderne: radikale Subjektivität des individuellen Ausdrucks und konsequente Anwendung objektivierbarer Methoden zur rationalen Erkenntnis der Welt. Seit dem 18. Jahrhundert hat sich dieses Verständnis von Kunst und Wissenschaft als Dichotomie herausgebildet, das mit der sorgfältigen Entwicklung von Fachgebieten, wie den Geistes- und Naturwissenschaften und Fachinstitutionen, wie den Universitäten, Akademien und Museen, einhergeht.

Die Wunderkammern und Kuriositätenkabinette des ausgehenden Mittelalters und der folgenden Renaissance zelebrierten die Einheit dieser Gegensätze. Die Gleichzeitigkeit von Ausdruck und Erkenntnis, die Gleichwertigkeit des Gemachten und des Natürlichen waren konstitutiv für Kunst und Weltanschauung der Renaissance. Ganzheitliche und interdisziplinäre Ansätze des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts knüpften an diese integrativen Konzepte an, die vom Jugendstil bis zum Bauhaus die Grundidee des altgriechischen Worts Techne / Τεχνη wiederbelebten, exemplarisch repräsentiert durch einen Kreis von Persönlichkeiten wie Karl Blossfeldt, El Lissitzky oder László Moholy-Nagy. Von der nahezu wissenschaftlichen Naturbeobachtung eines John Constable im späten 18. Jahrhundert bis hin zu der oft beschworenen Fibonacci-Zahlenreihe des Arte Povera Künstlers Mario Merz, der harmonische Relationen zwischen Mathematik und Naturformen würdigte, reichen diese Verbindungen, die keinesfalls frei von einer poetischen Dimension sind.

Felicitas Rohden kann mit ihrem Arbeiten in die Traditionslinie derer gestellt werden, die von einem klar definierten künstlerischen Standpunkt aus eine Affinität zu den Wissenschaften haben. Astronomische, physikalische oder mathematische Strukturen und Ideen liefern das Material für ihre Frage nach der Möglichkeit des Verstehens und der Veranschaulichung universaler Gegebenheiten durch den Menschen. Die Bilder, Skulpturen und Installationen sind in sich wiederum Ergebnis ihrer künstlerischen Forschungsarbeit, die in der optischen Darstellung der Phänomene ihre rhetorischen Strukturen analysiert und auf ihr symbolisches Potenzial hin befragt.

In ihrem neuesten Werk bringt die Künstlerin ein geometrisches Würfelmodell des italienischen Mathematikers Bonaventura Cavalieri (1598 – 1647) räumlich zur Entfaltung. Der auch auf den Gebieten der Optik und Mechanik tätige Wissenschaftler untersuchte hier Beziehungen zwischen den Flächen und räumlichen Volumen von Körpern. Aus drei pyramidialen Elementen besteht der von Felicitas Rohden gewählte Würfel, der eine quadratische Grundfläche in ein Dreieck überführt. Die Künstlerin klappt diese Pyramiden auseinander und verwendet sie als Projektionsflächen der drei Grundfarben des additiven Farbraums und für vergrößerte Reproduktionen von mikrofotografischen Aufnahmen aus dem Gebiet der Teilchenphysik. Während Cavalieris Würfel für das lange Zeit als gültig angesehene Konzept des Euklidischen Raums steht, verweist der Mikrokosmos der Teilchen auf andere physikalische Raummodelle, wie sie auch als Konsequenz aus der Relativitätstheorie entstanden sind. Der lineare Raum Euklids wich einem Konzept, das von einem gekrümmten Raum ausgeht, in dem Licht durch die Anziehungskraft großer Massen gebogen wird. „Bended Sight“ versinnbildlicht dieses Nebeneinander, das erhebliche psychologische und philosophische Fragen aufzuwerfen vermag. Zugleich ist es eine Würdigung der ästhetischen Dimension der Veranschaulichung dieser mathematischen und physikalischen Phänomene, die durchaus im Sinne der Wunderkammer als ein Faszinosum zu begreifen sind.

 

 

 

Felicitas Rohden
Bended Sight
Jagla Ausstellungsraum
in Zusammenarbeit mit Ihsan Alisan projects
Hansaring 98, 50670 Köln
5.9-2.10.2015
geöffnet Do und Fr. 15-18 Uhr und Sa. 13-16 Uhr

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