Philipp Artus - Flora, 2015 - Interaktive Videoinstallation - steuerbar mit Ipad 2
Installation view - Philipp Artus - Lukas Marxt

Installation view – Philipp Artus – Lukas Marxt

 

Philipp Artus - Flora, 2015

Philipp Artus – Flora, 2015

 

Philipp Artus - Flora, 2015

Philipp Artus – Flora, 2015

 

MevlanaLipp - Ping Pong, 2015

Mevlana Lipp – Ping Pong, 2015

 

Mathias Danberg, Order

Mathias Danberg: Order (2015)

 

Mathias Danberg, Order

Mathias Danberg, Order

 

Lukas Marxt - Extended Horizon

Lukas Marxt: Extended Horizon (2015)

 

Kilian Kretschmer - Haare, 2014

Kilian Kretschmer: Haare, 2014

 

Kilian Kretschmer - Haare

Kilian Kretschmer – Haare

 

Installation view - Souvenirs from earth

Installation view – Souvenirs from earth

 

Peter Miller: Eidola

Peter Miller: Eidola

 

Angelika Hertha: Steffi liest

Angelika Hertha: Steffi liest

 

Angelika Hertha: Der beste Weg (2015)

Angelika Hertha: Der beste Weg (2015)

 

Felipe Castelblanco, Driftless, 2014

Felipe Castelblanco: Driftless (2014)

 

Adam Scarborough : Democracy Machine (2014)

Adam Scarborough : Democracy Machine (2014)

Vanja Smiljanic - The Anthem of the new Earth remastred, 2015 - Videoperformance

Vanja Smiljanic – The Anthem of the New Earth remastred, 2015 – Videoperformance

 

Vanja Smiljanic - ANthem of the new earth - Videoperformance

Vanja Smiljanic – The Athem of the New Earth – Videoperformance

 

Reut Shemesh, Wildflowers, 2015

Reut Shemesh: Wildflowers (2015)

 

Eine heiße Empfehlung an alle, die ihren Sonntag intelligenter und spannender gestalten wollen als die übrigen Weihnachtsmarktbesucher: eine Fahrt nach Köln!

 

von Emmanuel Mir

 

 

 

Dort findet noch bis zum 9.1.2016 die zweite Edition von Play statt, ein Video- und Performance-Festival, das in der Galerie ampersand zu erleben ist. Gegründet 2011 und mit Falko Bürschinger an ihrer Spitze, ist ampersand eine kommerziell ausgerichtete Galerie, die sich für die Vermittlung eines beim breiten Publikum immer noch nicht anerkannten Mediums engagiert. Mit dem Schwerpunkt auf Video wagt das sechsköpfige Team einiges, denn gerade im jungen Segment – in der von ampersand vertretenen Sparte – sind die Absatzchancen relativ gering. Videokunst wird zwar in Institutionen immer öfter gezeigt und hat sich mittlerweile aus ihrem ehemaligen Exotendasein befreit, sie ist zwar zu einem vollwertigen Fach in Kunsthochschulen geworden und darf nun auf internationalen Großausstellungen nicht mehr fehlen, doch die kommerzielle Szene hinkt streichen: aber hinter der Entwicklung her. Die Abwesenheit dieses Mediums auf Kunstmessen und seine zu seltene Präsenz in den Programmen von Galerien beweisen, dass der Otto- Normal-Kunstsammler sich immer noch damit schwertut – oder dass es Galeristen an Mut fehlt.

 

In dieser nicht ganz rosigen Lage) lohnt es sich für die Mutigen zusammenzuhalten. Die zweite Ausgabe des Play-Festivals wird von ampersand und von CAT Cologne gemeinsam kuratiert. CAT Cologne ist ein Verein, der Künstlerresidenzen in Köln vergibt und sich für eine sozial wirkende Kunst einsetzt. Die zwei organisierenden Instanzen stellten drei Kuratoren zur Verfügung (Falko Bürschinger, Julia Haarmann und Matthias Müller), die wiederum zwölf künstlerische Positionen zusammengebracht haben. Diese sollten die Bedingungen der Verbreitung von Video reflektieren und damit die rasche (und eher unüberlegte) Streuung von diversen Videoformaten in den neuen, massenkompatiblen Medien kommentieren. Zwar ist mir genau dieser Punkt in der Ausstellung nicht durchgehend klar geworden, dennoch war das Niveau der präsentierten Werke immer hoch und ihre Zusammenstellung schlüssig und spannend. Die überschaubare Auswahl und die Variation der Präsentationsformen ermöglichten eine kurzweilige und anregende Sichtung, ganz anders als in den üblichen Videoausstellungen, wo eine Blackbox die nächste jagt und die Entdeckungslust des Besuchers schnell verpufft.

 

Auf der rein formalen Ebene verbindet die interaktive Animation von Philipp Artus wenig mit der großen, malerischen Arbeit von Lukas Marxt. Einerseits wird der Betrachter mit der künstlichen Schönheit von Sinuswellen konfrontiert, die von ihm direkt gesteuert werden und die immer neue florale Strukturen annehmen – die von Artus programmierten Entwicklungsmuster sind zwar sehr einfach, aber von unerschöpflicher Vielfalt: eine abstrakte, flache und durchstrukturierte Augenweide. Anderseits nimmt uns die subjektive Kamera von Marxt mit in die Himmel von Lanzarote, der Arktis oder Australiens, in wilde Landschaften, die nicht so unberührt sind, wie es zunächst erscheinen mag. Diese göttliche Perspektive ist zugleich erhaben und erschreckend (weil sie sowohl die demiurgische Kraft des Menschen als auch seine tatsächliche Fragilität in der Natur zeigt) und erinnert an romantische Motive. Der Kontrast zwischen der verspielten Artifizialität von Artus und dem Naturalismus von Marxt hätte nicht größer sein können.

 

Im gleichen Raum ist die selbstreferenzielle Installation von Kilian Kretschmer zu sehen, die ein stereometrisches Bild mit höchst (kann man analog steigern?) analogen Mitteln erzeugt – und zudem eine unleugbare skulpturale Qualität besitzt. Mevlana Lipps Spielerei in Ping Pong, technisch beeindruckend aber ansonsten arglos, hat mit der benachbarten Arbeit Driftless von Felipe Castelblanco, die ganz ohne aufwändige Schnittarbeit auskommt und eher als Dokumentation einer Performance wirkt, sehr wenig Ähnlichkeit. Fünf Arbeiten also mit einer nur vagen inhaltlichen Verbindung (wobei irgendeine Verbindung sich ja immer wieder konstruieren lässt.) Dies hätte zu einer Irritation führen und den Vorwurf der Beliebigkeit nach sich ziehen können. Doch trotz allem herrscht eine geschlossene Atmosphäre in der Haupthalle der Galerie. Woran es liegt, kann ich nicht erklären. Ich kann nur feststellen: Die Hängung funktioniert.

 

Im Untergeschoss wirkt die Auswahl durch die drei Kuratoren gebunden und inhaltlich nachvollziehbar. Mit den Arbeiten von Angelika Herta und Reut Shemesh rückt der Körper, mit seiner Unvollkommenheit und seinen Schwächen, in den Vordergrund. Ob tänzerisch-performativ (Shemesh) oder konzeptuell-stringent (Herta): Eine gewisse Unruhe und latente Aggression, gemischt mit einer Priese Humor oder Wahnsinn, sind da zu spüren. Erfreut war ich schließlich, die neuere Arbeit von Matthias Danberg gesehen zu haben, die eine dichte, technoide Atmosphäre mit einem offenen narrativen Strang kombiniert. Wobei der Begriff „Narration“ hier nicht wirklich greift: Anstelle einer linearen Geschichte reiht der Medienkünstler Ansätze und Ausschnitte wie Vignetten aneinander und lässt Requisiten und Elemente eines (hochästhetisierten, glatten) Bühnenbildes ablaufen.

 

Auf einige weitere Beiträge des Festivals bzw. der Ausstellung gehe ich der Knappheit halber nicht präziser (weiter) ein, aber wahren Enttäuschungen oder schwachen Arbeiten begegnete ich während meines Rundgangs bis auf eine Ausnahme nicht. Diese Qualität ist erstaunlich für eine noch kleine Struktur, die in den Anfängen steckt und mit viel Herzblut manche organisatorische oder technische Hindernisse zu meistern hat. Flankierend zur Ausstellung fand übrigens eine Reihe von Performances am Eröffnungswochenende statt.

 

Play 2
in der Galerie ampersand
Venloer Straße 24
50672 Köln
Kontakt: Falko Bürschinger
0179-5236295
www.galerie-ampersand.de
info@galerie-ampersand.de
Öffnungszeiten: Mi-Sa: 16-19Uhr

 

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